Schwäbische Zeitung vom 23. Mai 2009

Wiener Concert Verein zeigt sich bestens aufgelegt



Von Wolfgang Schmitt

Rot an der Rot - Im Rahmen der Musikfestspiele"Schwäbischer Frühling" ist der Wiener Concert Verein in der Roter Kirche St. Verna aufgetreten. Unter dem unauffällig-perfekten Dirigat von Claudius Traunfellner bot das glänzend aufgelegte Ensemble dem gespannten Publikum mit einem stimmigen Programm einen wahren Ohrenschmaus. Mit der D-Dur-Symphonie von Ignaz Joseph Pleyel begann das Konzert und sofort wurde deutlich, dass hier ein Spitzenensemble vor sein Publikum trat. Es war von Mitgliedern der Wiener Symphoniker vor über 20 Jahren gegründet worden. Nobler, sehr gut intonierter Ensembleklang erfüllte das Gotteshaus, der sogar die manchmal etwas störende Überakustik der klassizistisch-barocken Klosterkirche vergessen ließ. Die Musiker hörten aufeinander und spielten mit Verve.
Dieser Pleyel wurde vor Beethoven geboren und starb erst einige Jahre nach Beethovens Tod, aber sein Name wird nicht in einem Atemzug mit Mozart, Haydn oder Beethoven genannt. Dabei war es Pleyel dank eines Gönners möglich, bei Haydn Unterricht zu nehmen und er konnte zu Lebzeiten mit Haydn in puncto Beliebtheit wetteifern. Seine Symphonie konnte musikalisch gefallen, vor allem das Finale zeigte Anklänge an Beethovens 7. Symphonie - eine Apotheose des Tanzes, wie sich Richard Wagner einmal äußerte. Bei Joseph Haydns Violinkonzert in C-Dur war Festivalintendant Christian Altenburger der Solist. Er lernte in Wien und in der Juillard-School in New York sein Handwerk und durfte schon unter vielen bedeutenden Dirigenten spielen. Schön fügte sich Altenburger zu Beginn des ersten Satzes in den Ensembleklang, um dann als Solist mit warmem Geigenklang zu glänzen. Der zweite Adagio Satz schwebte regelrecht in der klaren, einheitlichen Architektur des Raumes, während der dritte Satz beinah treibend zum Ende fand. Während das Klassikfestival"Schwäbischer Frühling" mit zwei Werken an Haydns Todestag erinnerte feiert man in Rot an der Rot ebenfalls mit einem Komposition des Komponisten Mendelssohn-Bartholdy. Ihm zu Ehren wurde die Streichersymphonie Nr. 10 gespielt, ein relativ kurzes zweisätziges Frühwerk des jugendlichen Mendelssohn, bei dem wie bei den anderen Streichersymphonien nie an Veröffentlichung gedacht worden war. In h-Moll, der "schwarze Tonar", wie Beethoven einmal sagte, war das Werk geschrieben, das bereits erstaunliche handwerkliche Fähigkeiten des Komponisten erkennen ließ. Zum Abschluss folgte Haydns Symphonie Es-Dur "Der Merkur". Trotz über 100 komponierten Symphonien gehört dieses Werk ohne Zweifel zu den qualitativ hochwertigen Symphonien Haydns. Er hatte zur Zeit der Komposition dieses Werkes gerade den Wechsel von der drei zur viersätzigen Symphonie vollzogen und eine glänzende Symphonie abgeliefert, die gleichfalls tänzerische Elemente als auch Dramatik präsentierte. Der glänzend aufgelegte Wiener Concert Verein bot gute Phrasierung, vollendeten Klang und erkennbare strukturelle Tiefe. Dies machte das Konzert in der ehemaligen Roter Klosterkirche St. Verena zu einem Erlebnis, sodass Dirigent Claudius Traunfellner und seine Musiker erst nach er Zugabe die Bühne verlassen durften.